Nach einem in diesem Jahr besonders strengen Winter mit einem bis Ende Februar vereisten Kleinen Wannsee startete der Berliner Ruder-Club beim traditionellen „Anrudern“ am Sonntag, dem 19. April 2009, offiziell in die neue Saison. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Morgens noch recht kühl aber strahlend blauer Himmel über Berlin, die zahlreich erschienenen Clubmitglieder mit ihren Familien und die vom Vorstand eingeladenen Ehrengäste genossen sichtlich die wärmenden Sonnenstrahlen des Frühlings. So zeigten sich die äußeren Bedingungen der traditionellen Veranstaltung auf dem mit der Flaggengala der Rudervereine festlich geschmückten und dank Reiner Pubanz und unserem neuen Bootswart Hans Rieske putzsauber gefegten BRC-Bootsplatz am Kleinen Wannsee optimal und gaben der Veranstaltung einen prächtigen Rahmen. Die drei großen Flaggen (DRV / LRV / BRC) am Balkon des Geschäftszimmers gaben auch dem Clubhaus einen optisch feierlichen Rahmen.
Begrüßung
Mit besonderer Freude konnte der im März neu gewählte 1. Vorsitzende, Horst Eckey, zu Beginn seiner, durchaus beachtenswerten zweiten Rede in seinem Amt, die Ehrengäste, Frau Inge Schneider und Frau Beatrice Tonsor sowie die Herren Dr. Dieter Altenburg / Dieter Öhm vom LRV Berlin, den Ehrenvorsitzenden H. Wodetzki, die Ehrenmitglieder W. Henze, U. Korgitzsch, H.H. Pfitzner und nicht zuletzt das als Förderer so verdienstvolle Mitglied des BRC, Dr. Hartmann Kleiner, herzlich begrüßen.
Das Willkommen an die Trainingsleute des Stamm- und Jung-Clubs verband er mit dem Hinweis auf die Tradition dieser Veranstaltung Es sei wie ein Ritual, welches den Leistungsgedanken und den Gemeinschaftssinn in unserer Clubgemeinschaft verkörpere. Rudern in einem Boot, generationsübergreifend, Streben nach Leistung und Vervollkommnung in gleichgesinnter Kameradschaft seien unverrückbare essentiales der Club-Philosophie. Kritische Worte richtete H. Eckey in Richtung der geringen finanziellen Unterstützung des Rudersports durch die Dachverbände DRV, LRV, LSB und der DKL. Insbesondere die Deutsche Klassenlotterie lasse ein Engagement bei der Förderung auch unserer Sportart vermissen.
Im Hinblick auf die zwingend notwendigen Erneuerungsarbeiten im nunmehr 100-jährigen BRC-Clubhaus werde deren Finanzierung im Einklang mit den Prioritäten, die der Leistungssport im Club genießt, bei der künftigen Vorstandsarbeit notwendigerweise einen verantwortungsvollen Spagat, d.h. ein Eingehen von Kompromissen bei der Überbrückung der Interessen erfordern.
Ansprache zur Trainingsverpflichtung
Zwei neue Boote -jeweils mit Blumenkranz und Clubflagge dekoriert- lagen zur Taufe bereit, als der Vorsitzende Sport, Uwe Graf, den ersten Teil der Veranstaltung, die Trainingsverpflichtung, eröffnete.
Seine auf die personellen Veränderungen innerhalb des Deutschen Ruderverbandes ausgerichtete Grundsatzrede, in der er die Erwartungen der leistungssporttreibenden Vereine an den neuen DRV-Sportvorstand und Bundestrainer sowie an unseren Clubkameraden Michael Gentsch in seiner Eigenschaft als frisch ernannter Sportdirektor des DRV herausstellte, wurde von den Clubmitgliedern mit viel Beifall bedacht.
Entsprechen doch die von U. Graf geäußerten Gedanken prinzipiell den Hoffnungen aller am Leistungssport interessierter Ruderer auf einen dringend notwendigen Neuanfang. Und dies insbesondere nach dem desaströsen Abschneiden unserer Sportler beim Olympia 2008 in Peking. Sein eigenes Einwirken als LRV Leistungssport-Referent auf die Geschehnisse im Rennrudersport in Berlin wird unterstützt in der Tatsache, dass BRC-Trainer Alexander Schmidt ab 1. Mai d.J. die Trainer-Chefposition beim Olympiastützpunkt Berlin antreten wird.
Kurz erwähnte U. Graf er noch einmal die großen Erfolge des BRC im Jahre 2008 und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Athleten des Berliner Ruder-Club national wie international gut aufgestellt seien und wir mit berechtigten Hoffnungen die neue Saison erwarten können. Interessant werde sein, wie sich die 350m Kurzstreckenrennen der neuen „Ruder-Bundesliga“ im Regattageschehen 2009 einbringen werden, der BRC jedenfalls geht mit einem aus überwiegend ehemaligen Trainingsleuten besetzten Achter mit großen Hoffnungen an die ersten Starts dieser RBL.
Trainingsverpflichtung
Nach seiner Rede betonte Uwe Graf einmal mehr die historische Tradition und hohe Symbolik der Trainingsverpflichtung für Sportler des Berliner Ruder-Club. Mit der Verpflichtung geben die Trainingsleute mittels Handschlag dem Vorstand und den Trainern gegenüber ihre uneingeschränkte Bereitschaft zu vollem Einsatz ab, für ihren CLUB faire sportliche Leistungen im Training und auf den Regatten zu erbringen und diese mit eiserner Disziplin und Härte zu Erfolgen zu führen. Mit der Unterschrift in das seit 1951 geführte, ledergebundene Trainingsbuch des BRC dokumentiert jeder Aktive nicht zuletzt auch seine Bereitschaft, das Rudern für die nächsten Wochen und Monate in den Mittelpunkt seines Lebens zu stellen.
Die Junioren-Trainingsmannschaft unter Leitung von Trainer Thomas Naumann ist mit den Junioren-A Ruderern Felix Frischmuth (LG), Norman Heim, Victor Jacob, Anton Kuzmenko und Richard Lorenz aufgestellt. Die Junioren B-Mannschaft bilden Hendrik Bartolomaeus, Lars-Eric Bock, Tobias Frischmuth, Maxim von Helden und Vincent Neumann.
Für die Männer-Trainingsmannschaft unter Leitung des BRC-Cheftrainers Alexander Schmidt verpflichteten sich die U23-Senioren Anton Braun, Adrian Bretting (LG), Andreas Kuffner, Lars-Hendrik Lübbert, Philipp Matthes und Ole Tietz (LG). Für die A-Mannschaft unterschrieben die Aktiven Olaf Beckmann (LG), Eric Knittel, Markus Kuffner sowie der z.Zt. leider noch verletzte Jonas Schützeberg (LG) im Trainingsbuch. Steuermann Martin Sauer konnte den Termin wegen seiner Verpflichtungen in Sachen „Deutschlandachter“ leider nicht wahrnehmen, ihm und allen Anwesenden galt dann aber das rudersportliche hipp-hipp-hurra auf eine erfolgreiche Saison 2009.
Bootstaufen
Kinder-Einer „Salzgitter“
Ein für die Jugendarbeit im BRC dringend benötigter Einer der Firma „Wintech“ wurde mit einer eindrucksvollen Rede von Jugendleiter Patrick Scholz auf den Namen dieses Regattastandortes in Niedersachsen getauft.
„Mit Blick auf die anwesenden zahlreichen Aktiven und ehemaligen Sportler, die es sowohl durch ihr Talent für diesen Sport und den ungebrochenen Willen, stets Bestleistungen zu erbringen als auch durch ihr unermüdliches Streben nach technischer Perfektion geschafft haben, zu großen sportlichen Karrieren in den Nationalfarben auf internationalen Titelkämpfen und sogar Olympischen Spielen zu gelangen, stellt sich die Frage nach dem Grund der Erfolge. Zweifelsohne sie selbst. Sie alle haben einen langen meist steinigen Weg voller Entbehrungen, Höhen und Tiefen hinter sich, welchen sie nur durch ihre Entschlossenheit bis hierin gehen konnten.
Es wird mir sicher jeder zustimmen, wenn ich sage, dass man einen Menschen nicht zum Erfolg zwingen kann. Dennoch kann man Talente fördern und Willigen die Möglichkeit einräumen, ihre Leistungen auf dem höchstmöglichen Niveau zu messen. Dazu gehört nun einmal das Material, welches wir unseren Sportlern zur Verfügung stellen können. Der Kinder-Einer der Firma „Wintech“, den wir heute taufen, soll nicht dafür sorgen, eine Vorteil gegenüber seinen Gegnern zu haben, sondern vielmehr dem rudernden Sportler Ängste nehmen und ihn frühzeitig die Eigenverantwortlichkeit über Sieg oder Niederlage erkennen lassen. Den Namen erhält dieses Boot nach einer Regattastrecke, von deren Existenz ich persönlich bis zum Jahre 2005 gar nichts wusste. Erst die Austragung der Deutschen Großbootmeisterschaften konnte mich auf diese Wissenslücke aufmerksam machen. Spätestens nach dem Titel des Deutschen Meisters durch unseren Club-Achter ist diese Regattabahn nun auch mir und wohl auch allen anderen Clubkameraden bekannt. Im letzten Jahr konnten wir uns über einen Sieg beim Bundeswettbewerb der Jungen und Mädchen durch Tassilo Budde in Salzgitter freuen. Dieser Sieg in der Altersklasse 13J war ein Beweis für eine gute Nachwuchsarbeit im BRC. Daher möchte ich diesen Kinder-Einer heute auf den Namen „Salzgitter“ taufen und wünsche dem Boot allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.“
Renn-Zweier ohne Steuermann „Ottensheim“
Hier übernahm Trainer Alexander Schmidt die Tauf-Rede:
„Es ist mir eine Ehre, zusammen mit dem frischgebackenen Ehrenmitglied Wolfgang Henze dieses Boot taufen zu dürfen. Als erstes möchte ich Herrn Dr. Hartmann Kleiner danken, der zwar nie genannt werden möchte, aber ohne dessen Initiative, Sponsoren zu finden, es nicht möglich gewesen wäre, auch dieses Boot zu kaufen. Dafür möchte ich mich heute noch einmal, auch im Namen der Sportler, bedanken. Das Boot wird auf einen Namen getauft, welcher für den BRC mit vielen großen Erfolgen in Verbindung steht. An diesem Ort wurden 1990 Björn Gericke U23 Weltmeister im Einer mit Trainer Wolfgang Henze; 2001 Konrad von Kottwitz U23 Weltmeister im Doppelvierer LG und Martin Sauer (Stm) Vizeweltmeister im Vierer mit Steuermann. 2007 gewann Robert Sens beim World-Cup Silber im Doppelzweier, 2008 Anton Braun und Richard Lorenz bei der Junioren-WM Bronze im Vierer ohne und im gleichen Jahr wurden Steuermann Martin Sauer zusammen mit Olaf Beckmann, Jonas Schützeberg und Adrian Bretting Vizeweltmeister im DRV-Achter LG. Der Name „Ottensheim“ lässt sich auf die altgermanische Stammform „AUDA“ zurückführen, dies bedeutet „Reichtum“, „Schatz“, „Besitz“. Bei diesem Boot kann man also stolz auf dessen Besitz sein, und für die Ruderer dieses Bootes ist es mit Sicherheit ein Schatz, der auch so behandelt werden wird.“
Nach dieser Rede übernahm Ehrenmitglied Wolfgang Henze -mit einem Glas Sekt in der Hand- die traditionelle Taufe des Bootes mit den Worten: „Ich wünsche der „Ottensheim“ allzeit eine gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel…“
Pokalrennen
Auch in diesem Jahre hatte die Trainingsleitung als angenehme Zugabe für die zahlreich erschienenen Sponsoren und Clubmitglieder mit ihren Familien eine kleine Regatta mit vier Kurzstreckenrennen über 300m ausgeschrieben.
„Tom-Schneider-Pokal“
Im Jung-Club-Doppelzweier konnten sich Hendrik Bartolomaeus / Vincent Neumann mit deutlichem Vorsprung vor Lars-Eric Bock / Tobias Frischmuth erfolgreich durchsetzen.
„Tonsor-Zweier“
Die Jung-Club-Meisterschaft dieses Jahres sicherte sich nach spannendem Rennen Felix Frischmuth vor Norman Heim und Victor Jacob. Aus den Händen der Witwe unseres unvergessenen, leider zu früh verstorbenen, Europameisters Thomas Schneider, Frau Inge Schneider, nahm ein strahlender Felix Frischmuth, den Siegerpokal in Empfang.
Erfreuliche Anmerkung: Dieses Rennen wurde am Abend vom rbb-Fernsehen innerhalb eines Kurzberichts über unsere Veranstaltung in der „Abendschau“ gesendet.
„Doc Wollmann-Preis“
Im Rennen der Zweier ohne Steuermann stellten sich vier Boote dem Starter (Thomas Naumann).
Überraschend auch dabei auch unser „Alt-Senior“ Johannes Galandi mit Youngster Anton Braun im Boot. Ein überaus spannendes Rennen lieferten sich die acht Aktiven, hohe Schlagzahlen bestimmten das Renntempo von Anfang bis ins Ziel. Der Applaus der Zuschauer über diese Vorstellung war sehr herzlich und tat den Sportlern gut.
Olaf Beckmann / Ole Tietz setzten den Siegern Adrian Bretting / Lars-Hendrik Lübbert über die ganze Strecke mächtig zu, konnten deren knappen Erfolg letztlich aber nicht verhindern. Dritter wurden Richard Lorenz / Anton Kuzmenko vor der Mannschaft mit J. Galandi / A. Braun.
Beatrice Tonsor, Tochter des verstorbenen Clubkameraden Heinz (gen. „Säule“) Tonsor, und in der Geschäftsleitung unseres Sponsors, der Firma „Gebr. Tonsor -Deko/Farben/Stoffe“, Kantstraße 34, tätig, übernahm - wie immer sehr charmant und mit „Küsschen“ für die Sportler - die Pokalübergabe an Adrian und Lars-Hendrik.
BRC-Clubmeisterschaft
In dieser hochinteressanten Auseinandersetzung im Einer um den Titel „CLUBMEISTER 2009“ waren drei Boote am Start. Für den erkrankten Markus Kuffner wurde kurzfristig Philipp Matthes nominiert, als Gegner von Titelverteidiger Eric Knittel und Andreas Kuffner.
Sehr überzeugend und souverän konnte Eric seinen Titel mit mehreren Längen Vorsprung vor Andreas und Philipp verteidigen und den Siegerpokal als „Clubmeister 2009“ von Uwe Graf in Empfang nehmen.
Traditionsgemäß wurde die Veranstaltung „Anrudern“ anschließend in den Gesellschaftsräumen mit einem von der Ökonomie bestens vorbereitetem und vorzüglichem Pasta-Essen für Trainingsleute und Gäste abgerundet. Die Stimmung an den Tischen im Saal wie auf der Sonnenterrasse war sehr harmonisch und die Gespräche intensiv, insbesondere die wieder sehr gute Organisation der gesamten Veranstaltung vonseiten des Vorstandes und aller Helfer wurde mit dem Bemerken anerkannt, möglichst bald wieder so angenehme Stunden im Berliner Ruder-Club verleben zu können.

