NEU! Ab der Saison 2009
findet in Deutschland erstmals die Ruder-Bundesliga statt. Diese wird ausschließlich in zwei Bootsgattungen ausgetragen, und zwar im Männer- und im Frauen-Achter. Wer sind die Initiatoren? Der Veranstalter der RBL ist eine private GmbH, wobei ein Geschäftsführer Renko Schmidt (Sportvorsitzender des DRV) und ein anderer Nils Budde ist, der beim DRV in der Geschäftsstelle angestellt ist, um sich um die Ruderjugend, das Wettkampfwesen und die Schiedsrichter zu kümmern. Der Rudertag in Oldenburg hat diese Vermischung zwischen einer GmbH und Funktionsträgern innerhalb des DRV durch einen eindeutigen Beschluss genehmigt. Der Vorteil bei der GmbH–Lösung liegt darin, dass zum einen der DRV kein finanzielles Risiko trägt und zum anderen kurze und prägnante Entscheidungswege die Entwicklung des Liga-Betriebs fördern.
Wie funktioniert die Ruder-Bundesliga?
Die RBL findet an sechs Regattaorten von Ende April bis Oktober statt. Die Streckenlänge beträgt 350 m und es werden i.d.R. nur Rennen mit zwei Achtern, also Boot gegen Boot ausgetragen. Durch ein System von Rennen an einem Regattawochenende gibt es zu dessen Abschluss immer einen neuen Tabellenstand. Die Wettkämpfe selber finden nicht über den ganzen Tag verteilt statt, sondern werden auf wenige Stunden komprimiert. Der Rennabstand beträgt 3 Minuten. Ziel ist es, hier einen insbesondere für die Zuschauer attraktiven Event zu schaffen.
Wer kann teilnehmen?
Gemeldet werden können nur Vereinsmannschaften oder Zusammenschlüsse von benachbarten Vereinen. Ziel ist es hier, die Identifikation der Zuschauer mit „ihrem“ Achter zu stärken. Zudem fördert die Streckenlänge von 350 m die Schaffung von Achtern, die aus Spitzensportlern bis hin zu Mastersruderern bestehen können. Da vielleicht nicht jeder Ruderer an jedem RBL-Wochenende zur Verfügung steht, dürfen innerhalb eines Jahres insgesamt 16 unterschiedliche Aktive die Mannschaft bilden. Innerhalb eines Wochenendes darf allerdings nicht getauscht werden. Die Boote werden einmalig für die Saison gemeldet, sie müssen sich dann verpflichten, an allen sechs Veranstaltungen teilzunehmen - wie bei anderen Ligabetrieben auch. Bis zur ersten Veranstaltung Ende April hatten sich für die RBL 27 Männer-Achter und acht Frauen-Achter gemeldet – ein respektables Ergebnis, wenn man bedenkt, auf wie vielen Regatten man 35 unterschiedliche Achter antrifft...
Premiere in Münster
Start der RBL war nun am 25. und 26. 4.2009 bei der Regatta in Münster. Mit dabei selbstverständlich auch ein BRC-Achter. Der eigentlichen Premiere der RBL musste in Münster noch einmalig ein „Prolog“ in Form eines Zeitfahrens vorgeschaltet werden, damit man eine Initialreihenfolge der Teams erhält, um dann die Boote (bei den Männern) in die erste (Platz 1–16) und in die zweite Liga (17–27) einzuteilen. Auch bei den Frauen wurde eine Reihenfolge ermittelt. Gemäß dem Ergebnis dieses Zeitfahrens wurden die Startnummern vergeben, die - analog der Formel 1 - die Mannschaften die gesamte Saison begleiten. Basierend auf diesen Ergebnissen wurden dann die eigentlichen RBL–Rennen durchgeführt, die alsdann in einen Tabellenstand am Ende des ersten Regattawochenendes kulminierten.
Der BRC-Achter in Münster
Der Prolog des Zeitfahrens setzte sich aus drei Läufen zusammen, aus deren Zeiten dann das Ur-Ranking entwickelt wurde. Hier kam die Mannschaft des BRC von Lauf zu Lauf besser in den Tritt und erreichte einen respektablen Platz 10 in der Gesamtwertung. Weshalb soll ein Platz 10 für den Club mit seinen regelmäßigen Deutschen Meistertiteln respektabel sein – nun ganz einfach, innerhalb der RBL gibt es eine Vielzahl von Teams, die sich schon seit vielen Jahren auf die Sprintstrecke spezialisiert haben. Dies ist beim BRC noch nicht in dem notwendigen Maß erfolgt. So wird beispielsweise bereits seit rund 10 Jahren sehr erfolgreich die Deutsche Sprint-Meisterschaft im Herbst, offen nur für Vereinsmannschaften, durchgeführt, bei der der Club im Jahr 2008 erstmalig teilgenommen hat. Die Vereine die dort bereits langjährig teilgenommen haben, besitzen naturgemäß einen anderen Erfahrungshorizont bei Ruder-Sprintrennen. Insofern ist der 10. Platz, quasi aus dem Stand heraus, ein sehr achtbares Ergebnis für den BRC.
Die RBL in Münster
Basierend auf den Ergebnissen des Zeitfahrens wurden dann am Samstagabend und am Sonntagmittag die Rennen der eigentlichen RBL ausgetragen. Hier konnte sich der Club nach respektablen Leistungen auf den neunten Rang vorschieben. Tabellenführer nach dem ersten Ruderwochenende wurde der Crefelder Ruder-Club (16 Punkte) vor dem Osnabrücker Ruder-Verein (15 Punkte), dem "Münster-Achter" (14 Punkt) und dem „Der Hamburger und Germania Ruder Club“ (13 Punkte).
Insgesamt war die Premiere dieser Veranstaltungsform ein voller Erfolg, da durch die schnelle Rennfolge (alle drei Minuten) und die spannenden Zieleinläufe viele Zuschauer angelockt werden konnten. Ergänzt wurde dies sicherlich auch durch spannende Regattakommentare die von schneller Musik begleitet wurden – also ein Event!
Wenn sich auch an dieser Stelle den Traditionalisten der Magen herumdrehen sollte, so muss man doch die Abstimmung „mit den Füßen“ der rund 500 Zuschauer akzeptieren. Und da der Verfasser dieser Zeilen danach auch als Schiedsrichter die „normale“ Münsteraner Regatta begleitet hat, wurde mir durch die der RBL nachfolgende Junioren-Einer-Rennen über 2000 m die Unterschiedlichkeiten in der Gesamtkonzeption mehr als deutlich.
Die RBL ist mit dem normalen Regattabetrieb eben nicht zu vergleichen – es ist ein Event mit hohem Showanteil – das ist das, was das Publikum heute nachfragt. Und wer den Wandel beklagt der sei daran erinnert, dass Tauziehen heute auch nicht mehr olympisch ist, sondern Beach-Volleyball...

